Brainspotting – ein neuer Blick in die Tiefe der Psyche

Sylvia Kosek • 3. Oktober 2025
Manchmal erleben wir etwas Belastendes, das wir im Alltag scheinbar gut „wegpacken“. Doch unser Körper vergisst nicht so schnell wie unser Verstand. Alte Gefühle können sich in Form von Anspannung, Schlafproblemen oder plötzlicher Überforderung bemerkbar machen – oft ohne dass wir verstehen, warum. Genau hier setzt Brainspotting an: eine relativ junge, aber vielversprechende Methode in der Psychotherapie.

Was ist Brainspotting?
Brainspotting (kurz: BSP) wurde 2003 vom Psychotherapeuten David Grand entwickelt. Die Methode basiert auf der Beobachtung, dass unsere Augenbewegungen eng mit inneren Prozessen verbunden sind. Bestimmte Blickrichtungen – sogenannte „Brainspots“ – scheinen direkt mit im Körper gespeicherten Erinnerungen oder Emotionen verknüpft zu sein.

Wenn wir den Blick auf diese Punkte richten und gleichzeitig in einem sicheren therapeutischen Rahmen bleiben, können tiefe emotionale Schichten ins Bewusstsein treten und verarbeitet werden.

Wie läuft eine Brainspotting-Sitzung ab?
Eine Sitzung beginnt meist mit einem Thema oder Gefühl, das im Vordergrund steht – z. B. eine Angst, eine belastende Erinnerung oder auch ein diffuses Unwohlsein. Die Therapeutin oder der Therapeut achtet dann auf subtile Signale wie Zucken, Blinzeln oder veränderte Atmung, während die Augenposition des Klienten wandert.

Wird ein „Brainspot“ gefunden, bleibt der Blick dort. Der Prozess ist weniger „gesprächsorientiert“ als in anderen Therapien – vielmehr geht es darum, den inneren Vorgängen Raum zu geben, während die Begleitung für Sicherheit sorgt.

Für wen kann Brainspotting hilfreich sein?
Brainspotting wird unter anderem eingesetzt bei:

* Traumatischen Erfahrungen (z. B. Unfällen, Verlusten, Missbrauch)
* Ängsten, Panikattacken und Phobien
* Stress, Überlastung und Burnout
* Psychosomatischen Beschwerden
* Leistungsblockaden (z. B. im Sport, bei Prüfungen oder künstlerischen Tätigkeiten)

Viele berichten, dass Brainspotting ihnen ermöglicht hat, Blockaden schneller und nachhaltiger zu lösen als mit rein kognitiven Ansätzen.

Die Besonderheit von Brainspotting
Im Unterschied zu klassischen Gesprächstherapien arbeitet Brainspotting stärker mit **Körperempfindungen** und weniger mit reinem Nachdenken. Dadurch können auch Erinnerungen oder Gefühle erreicht werden, die wir gar nicht bewusst abrufen könnten. Man spricht manchmal davon, dass Brainspotting „das Unbewusste durch die Augen sichtbar macht“.

Fazit
Brainspotting ist eine spannende Methode, die sich gut mit anderen psychotherapeutischen Ansätzen kombinieren lässt. Wer neugierig ist, sollte sich an eine ausgebildete Therapeutin oder einen ausgebildeten Therapeuten wenden – wichtig ist wie immer, dass die Chemie stimmt und man sich im Prozess sicher fühlt.

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